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Nachdem OK KID erst kürzlich ihr neues Album (Vö. 29.05.26) mit einem Paukenschlag angekündigt haben, folgen nun endlich die Dates zu ihrer langersehnten Comeback-Tour für Herbst 26. Wer erinnern uns: Einst vom Feuilleton der Zeit als „Klassensprecher der Genration Y“ bezeichnet, kündigt die Ausnahme Band nach 3 Top-Alben im Frühjahr 2024 eine Pause auf unbestimmte Zeit an.
Fast 2 Jahre war es nun still. Kein Social Media, keine Konzerte, keine Releases. Aus damaliger Sicht: Ein waghalsiges Unterfangen. Aus heutiger Sicht: Ein Segen für dieses Album. Was macht uns in Zeiten von multiplen Krisen noch aus? Wofür lohnt es sich aufzustehen, zwischen Verdrängen, Ohnmacht und Aktion?
Bevor die Platte so richtig beginnt, stirbt die Hoffnung in 3 aufeinander folgenden Songs und lässt den Erzähler alleine zurück: „Hab auf der Welt nichts mehr verloren, aber trotzdem hier“. Was zunächst nach schwerer Kost klingt, entwickelt sich im Laufe des Albums zu einer wahrhaftigen Leichtigkeit in Musik und Text.
Die Hoffnung kommt nicht zurück, wenn wir im stillen Kämmerlein auf bessere Zeiten hoffen. „Komm, wir bleiben stehen“ ist nicht weniger als ein Aufruf an seinen Werten und Idealen festzuhalten. Es geht darum, sich nicht vom toxischen Strudel der Gegenwartsbewältigung mitreissen zu lassen.
Wie möchten wir miteinander umgehen? Wie finden wir die Balance Zwischen Eskapismus und mentaler Bewältigung? Das ganze Album ist eine Suche nach Geborgenheit in einem dystopischen Umfeld.
Und trotzdem bleibt OK KID die Band, die sich niemals für ihre politische Haltung oder für das sezieren unsere Gesellschaft auf die Schulter klopfen lassen würde. Wie die Band selber so schön sagt: „Der gute Zweck heiligt nicht die schlechten Mittel“ hat diese Platte so viel mehr zu bieten, als das Prädikat „politisch wertvoll“. „Komm wir blieben stehen“ hat nicht den Anspruch, das wichtigste politische Popabum der letzte Jahre zu sein. Denn wenn man dies- mit voller Berechtigung wohlgemerkt - so nennen würde, dann würde es trotzdem nur ein Bruchteil von dem erfassen, was diese Platte ausmacht. Es ist das Gegenstück zu leicht verdaulichen Pophäppchen.
Die größte Stärke dieses Albums ist es wohl Themen, bei den anderen stillos scheitern, würden, in lyrische Kunstwerke zu verpacken: „Ein echter Mann denkt, er ist auch ein Femnist. Echte Männer spielen Heal the World in Cis.“(„Wie ein echter Mann“) Kein Wort, keine Pose wirkt auch nur ansatzweise inszeniert. OK KID klingen nicht mehr „mal“ nach Indie und „mal“ nach Rap: Auf ihrem 5. Studioalbum verschmelzen ihre Einflüsse zu einem stimmigen Gesamtwerk, wie wohl noch nie zuvor in ihrer Karriere.
Da ist die Wucht und Sanftheit zugleich in der Produktion, welche zum ersten Mal komplett von der Band selbst unter Federführung von Raffi Balboa umgesetzt wurde. OK KID haben beileibe nicht den Anspruch, Antworten zu geben und trotzdem fühlt es sich so gut an dieses Album zu hören. Ein Plädoyer für Empathie, Widerstand, und einfach stehen zu bleiben.
Dieses Album ist aber vor allem dafür gemacht, um es Live zu erleben. Schon beim ersten Track geht einem das innere Mosh-Pit auf und man wagt es kaum zu erahnen, wie die Band wohl die Dynamik der Platte zwischen Wucht und Sanftheit auf die Bühne bringt. Umso schöner, dass dieses Trio - das zweifelsfrei seit Jahren zu einer der besten Livebands hiesigen Gefilden zählt- auch endlich auf den Bühnen im deutschsprachigen Raum zurück ist.